Reisebericht – 3 Tage Edinburgh im Winter- Teil 1

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Im Januar ging es für mich das erste Mal nach Schottland. Die günstigen Flüge haben uns schwach werden lassen und so flogen wir für drei Tage in die schottische Hauptstadt Edinburgh. Auch wenn das Wetter nicht immer mitgespielt hat, haben wir viel gesehen, nochmehr Atmosphäre gespürt und für Britannien erstaunlich gut gegessen. Aber alles der Reihe nach.

Freitag abend ging es ab Frankfurt Hahn mit Ryanair in 1,5 Stunden nach Schottland. Vom Flughafen Edinburgh in die Innenstadt verkehrt alle 15 Minuten ein moderner Shuttelbus (Airlink). Ein Hin- und Rückfahrtticket kostete uns 7 Pfund p.P. und die Fahrt bis zur Innenstadt dauert etwa 30 Minuten. Von der Haltestelle Waverley zu unserem Ibis Styles Hotel am St. Andrew Square waren es dann noch ein paar Minuten zu Fuß. Gegen 1 Uhr hatten wir eingecheckt und genehmigten uns ein erstes schottisches Ale und ein Guiness an der Hotelbar. Tastes like Scotland…

Den nächsten Tag starteten wir mit einem ausgezeichneten Frühstück. Nicht unbedingt typisch schottisch (bis auf der InstantPorridge), aber lecker. Übrigens hat das Ibis Styles auch sonst einen sehr guten Eindruck bei uns hinterlassen. Lage und Preis sind im doch eher hochpreisigen Edinburgh unschlagbar. Ansonsten ist das Hotel neu und modern eingerichtet. Nettes Personal und ein für die Kategorie umfangreiches schmackhaftes Frühstück runden den guten Eindruck ab. Wir würden wieder kommen.

Nach dem Frühstück mussten wir uns sputen, um rechtzeitig zu unserem ersten geplanten Stop zu kommen. Wir wollten zum Sonnenaufgang auf den nahegelegenen Calton Hill wandern, um von dort einen ersten Panoramablick über die altertümliche Stadt zu erhalten. Leider war es so neblig, dass aus dem Sonnenaufgang nichts wurde. Dafür konnten wir Edinburgh langsam aus dem Nebel auftauchen sehen. Atmosphäre hoch zehn.

Nach einer Weile machten wir uns wieder auf den Weg nach unten und setzten unseren Trip Richtung Altstadt fort. Dort gönnte ich mir einen ersten Vormittagssnack: warmer Macaroni Pie. Also Nudeln mit Käsesauce in einem Kuchenteig. Schmeckt ein wenig fad, aber als Snack in Ordnung.

Weiter ging es zu Greyfriars Bobby, einer Statue eines Hundes, der seinem Herrchen auch nach dessen Tod über 16 Jahre nicht von der Seite gewischen ist. Passend zum Thema besuchten wir den dahinterliegenden Friedhof mit vielen alten Gräbern und super süßen Eichhörnchen. Leider fing es hier an leicht zu regnen. Bevor es weiterging mussten wir natürlich noch einen kurzen Fotostop am Elephant Cafe einlegen, dem Cafe in dem J.K. Rowling damals am ersten Band der Harry Potter Reihe geschrieben hat.

 

Anschließend gingen wir die Straße hinunter Grassmarket. Hier fanden früher die unzähligen Hinrichtungen statt, weshalb die umliegenden Wohnräume extrem beliebt waren, denn es waren ja quasi VIP-Plätze… makaber! Heute finden sich hier einige wunderschön hergerichtete Pubs und kleinere Restaurants, weshalb wir hier zum Abendessen wiederkommen wollten.

grassmarket

 

Weiter ging es wieder hinauf auf den Stadtberg und zur Burg. An der Burg angekommen hat uns der hohe Eintrittspreis zugegeben kurz erschreckt, letztlich aber nicht abgehalten (£16.50 p.P.). Im Inneren erwartete uns ein großzügiger Burghof mit verschiedenen Gebäuden. Bemerkenswert war, dass in nahezu allen Räumen historische Ausstellungen bzw. Museen eingerichtet waren (die waren in dem hohen Eintrittspreis dann auch enthalten). Wenn man sich alles genau ansehen möchte, benötigt man so sicher einen ganzen Tag. Uns hat das Gefängnis-Museum am besten gefallen. Um 13 Uhr gab es dann noch den täglichen Kanonenschuss zu bestaunen. Nach gut drei Stunden  machten wir uns auf den Weg die Royal Mile – die Haupttouristenstraße Edinburghs – hinunter und auf die Suche nach einem schottischen Mittagessen.

 

 

Wir fanden kleines Cafe in einer Seitenstraße und ich konnte meinen ersten selbstgemachten Porridge mit Honig probieren. Bisher kannte ich aus meiner Kindheit nur die süße Haferflockensuppe aus Milch. Dieser Porridge war mit Wasser zubereitet und wurde ungesüßt mit einer verdünnten Espressotasse Honig serviert. So konnte ich nach meinem Geschmack süßen (ja ok, ich habe alles reingekippt). Der Porridge war sehr lecker und die Portion riesig. Durch die Zubereitung mit Wasser war ich aber nicht so sehr vollgestopft. Für meine Begleitungen gab es übrigens einen Gemüseeintopf mit Fleischeinlage und ein Brötchen mit Black Pudding oder zu deutsch Blutwurst – jedem das seine…

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Porridge mit Honig

Frisch gestärkt bummelt wir zunächst noch etwas über die Royal Mile und besichteten dann die dort gelegenen St Giles’ Cathedral. Da ich die Kathedrale nicht als wichtigen Programmpunkt im Kopf hatte und somit mit nichts besonderem gerechnete, war ich von ihr total überwältigt. Der Innenraum ist sehr hoch und von großen Säulen gestützt. In einer Ecke hängen große Stoffbanner der verschiedenen Clans. Ich fühlte mich sofort in einen alten englischen Ritterfilm versetzt. Die Atmosphäre war einfach gigantisch. Fotografieren war im Inneren nur gegen Gebühr gestattet, worauf wir verzichtet haben. Die Kirche zählt definitiv zu meinen Highlights des Wochenendes.

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St. Giles‘ Cathedral

Im Anschluß gingen wir zu Mary King’s Close, das ebenfalls auf der Royal Mile zu finden ist und reservierten uns Tickets. Wie wir vermutet hatten war in der Nebensaison nicht allzuviel los und wir konnten schon eine halbe Stunde später an der nächsten Führung teilnehmen. Zu anderen Jahreszeiten sollte man dort aber definitiv vorher über die Homepage reservieren. Die Führung durch die Untergrundwelt von Edinburgh wurde von uns einstimmig zum Höhepunkt des Wochenendes gewählt. Die Führung war toll gemacht und sowohl unterhaltsam als auch informativ. Man sollte allerdings keine großen Probleme mit der englischen Sprache haben, da die Führungen ausschließlich in Englisch stattfinden. Wir hätten es aber auch nicht anders gewollt. Im Deutschen wirken solche Gruselführung irgendwie schneller albern, zumindest bei uns kommt da im Englischen viel mehr Atmosphäre auf. Leider darf man während der Führung keine Fotos machen. Für mich gehört Mary auf jedenfall zum Pflichtprogramm eines Edinbrugh Besuchs.

Jetzt mussten wir wirklich mal einen Moment durchatmen, also auf zum Hotel. Duschen, Füße hochlegen und schon ging es weiter zum Abendprogramm. Also wieder den Stadtberg hoch und den Stadtberg zurück zum Grassmarket. Ich hatte vorher recherchiert, dass es im White Hart Inn das beste Haggis geben soll und das Stand für heute auf unserem Pflichtprogramm. Haggis ist ein schottisches Nationalgericht und besteht traditionell aus verschiedenen Innereien die in einem Schafsmagen gekocht werden. Sogar die Mehrzahl der Fleischfresser findet das Gericht ekelhaft, für Vegetarier scheint es daher völlig ungeeignet und doch… Eine Freundin, die mehrere Jahre in Edinburgh gelebt hat, gab mir den Geheimtipp, dass es Haggis auch in einer vegetarischen Variante gibt und versicherte mir, dass es sich dabei um kein Fleichersatzprodukt handelt (mag ich nicht). Also habe ich mich getraut und was soll ich sagen, es war… lecker! Sehr sogar. Wer hätte das gedacht? Optisch unterschied es sich übrigens fast nicht vom fleischigen Original meines Tischnachbarn. Geschmacklich hatte es aber wirklich nichts mit Fleisch zu tun. Rausgeschmeckt haben wir Haferflocken (ohne die kann der Schotte irgendwie nicht), definitiv auch Bohnen und eine ganze Reihe Gewürze. Das vegetarische Haggis gibt es übrigens tatsächlich fast überall wo es auch normales Haggis gibt, also traut euch. Es lohnt sich!

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Haggis mit Kartoffelbrei und Whiskeysauce – hinten mit Fleisch und vorne die vegetarische Variante

Im Anschluß konnte ich gleich noch das nächste Gericht von meiner Liste probieren. Die traditionelle Nachtischcreme Cranachan, die mit Whisky zubereitet und mit frischen Himbeeren serviert wird. Abgerundet wird das ganze on Top mit Honig und den obligatorischen Haferflocken. Die Creme selbst schmeckt sehr sehr sahnig. Der Whisky harmoniert unglaublich gut mit der Creme und die säuerlichen Himbeeren nehmen dem Gericht die Schwere. Alles in allem einfach fantastisch. Auch das wird in Deutschland sicherlich nachgekocht. Die Burger meiner Begleitungen blieben dafür leider etwas hinter den Erwartungen zurück. Einzig der hervorragende schottische Cheddar blieb bei ihnen länger im Gedächtnis.

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Cranachan – Schotticher Nachtisch aus Sahne, Whiskey und Himbeeren

Ursprünglich wollten wir in dem Pub den restlichen Abend verbringen und uns an traditioneller Live-Musik erfreuen. Allerdings fiel diese aufgrund der Nebensaison leider aus. Daher zogen wir weiter und gönnten uns in der Deacon Brodie’s Tavern einen Whisky. Auch die (Rock-)Livemusik fanden wir noch im schönen Kellergewölbe des Whistle Binkies, bevor wir nach einem langen, anstrengenden aber wunderschönen Tag Richtung Hotel torkelten.

PS: An diesem Tag standen 34.000 Schritte und knapp 23 Kilometer auf meine Fitnesstracker. Zusätzlich bekam ich ein neues Abzeichen, weil ich soviele Höhenmeter gelaufen bin, dass es für 200 Stockwerke an einem Tag reichte. Passenderweise hieß das Abzeichen Burg-Abzeichen. Vielleicht haben wir den Tag doch etwas zu voll gepackt :)

Warst du auch schon einmal in Edinburgh? Dann verrat mir doch in den Kommentaren deine schönsten Erlebnisse. Welche Sehenswürdigkeit hat dir besonders gut gefallen und was sagst du zur schottischen Küche? Top oder Flop?

Reisebericht 3 Tage Edinburgh im Winter, fernfuttern.de

Kategorien: Futtern auf Reisen

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